Die lieben Kunden – der God-Mode

Bei Computerspielen war das früher eine tolle Sache. Der God-Mode bedeutete, man kann nicht sterben, die Monster können einem nichts anhaben, man kann tun und lassen, was man will und niemand nimmt es einem Übel.
Wenn Kunden in den God-Mode geraten, ist das so ähnlich – nur andersrum.

Der God-Mode setzt in dem Moment ein, in dem der Kunde die Idee entwickelt, dass er dem Designer genau sagen muss, was er zu tun hat. Die Ursachen für diese Annahme sind vielfältig, die wahrscheinlichste aber ist, dass der Kunde den Glauben an die Kompetenz des Designers verloren hat bzw. nie hatte. Manchmal setzt der Godmode während des Projekts ein, manchmal ist er ein Charakterzug des Auftraggebers.

Der God-Mode ist einfach zu erkennen. Er äußert sich in Sätzen wie: „Machen wir doch noch ein paar Varianten.” oder „Ich denke, wir sollten noch das und das ausprobieren…”. Verräterisch ist das Wort „wir”.
Denn: Lieber Designer, Du bist soeben zu einer Handpuppe geworden – von nun an wirst Du nicht mehr denken müssen, sondern stumm (oder mit einem schiefen Lächeln) jede noch so aberwitzige Idee Deines Kunden ausführen. Er hat schon längst den Glauben an Deine Kompetenz verloren und nimmt das ganze nun „selbst in die Hand” (mithilfe eines Handlangers – nämlich Dir).
Von nun an schiebst Du pixelweise Grafiken über den Bildschirm, erstellst dutzende von Größen- und Farbvarianten und bist in ständigem E-Mail- und Telefonkontakt mit Deinem Kunden. Huldige Deinem neuen Gott!

Das groteske an der ganzen Geschichte ist, dass man (teilweise nach Jahren) wirklich zu einem Ergebnis kommt. Oft – und das ist nicht gelogen – zu denselben Ergebnissen, die der Designer ganz am Anfang geliefert hatte. Doch der Kunde musste den gesamten Schaffensprozess auf seine Art durchlaufen, um sicher zu sein.

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